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Industrie 4.0: Evolution, Disruption oder Revolution?

Industrie 4.0, alles Revolution oder was? Was dem einen das (teil)autonome Fahren im Tesla oder Mercedes ist dem anderen die künstliche Intelligenz von Computersystemen wie IBM Watson. Egal wohin man schaut, alle Welt redet jüngst von Revolution. Von vielen neuen Möglichkeiten sind wir fasziniert, über andere Fortschritte machen wir uns ernste Gedanken. Eines ist sicher: Unsere Arbeitswelten stehen völlig branchenunabhängig vor dramatischen Umbrüchen: Maschinen und Dinge beginnen miteinander zu reden, nur wofür? Die Vision für die Zukunft ist die Vernetzung zur klugen Fabrik von morgen, der smart factory. Doch Fragen bleiben: Was haben wir alle von einer intelligenten Industrie 4.0? Die Unternehmen, die Mitarbeiter, die Kunden und die Gesellschaft?

Die Mutter aller industriellen Revolutionen

Die Mutter der heutigen Revolutionen fand bereits im 18. Jahrhundert statt. Die Industrie 1.0 kann man durch die Einführung mechanischer Produktionsanlagen mit Wasser- und Dampfkraft auf das Jahr 1784 datieren. In einer Zeit, in der die Naturwissenschaften einen ungeahnten Zulauf bekamen. Aus der Welt der reinen Zuschauer wurde immer mehr eine Welt bestimmt durch Tüftler und Erfinder. Zu dieser Zeit begann die industrielle Revolution. Die nächste Evolution, die Industrie 2.0, begann um das Jahr 1870 mit der Einführung arbeitsteiliger Massenproduktion durch elektrische Energie.

Das alte Europa dominierte

Nahezu alles, was bis heute unsere Weltwirtschaft maßgeblich antreibt, wurde in jenen Ländern erfunden, die in der heutigen Zeit zum alten Europa gehören. Dabei auch viele Erfindungen, welche die Welt grundlegend veränderten. Die Hauptrolle im Innovations- und Revolutionstheater spielte in Deutschland:

  • 1885 erfindet Gottlieb Daimler das Motorrad
  • 1886 Carl Benz das Automobil
  • 1854 Heinrich Göbel die Glühbirne
  • 1866 Werner von Siemens den Dynamo
  • 1902 Robert Bosch die Zündkerze
  • 1930 Manfred von Ardenne das Fernsehen
  • 1941 Konrad Zuse den Computer

Richtig, der Computer wurde bereits im Jahre 1941 erfunden. Mit ihm beginnt das digitale Zeitalter. Im Jahr 1969 als Industrie 3.0 in der Produktion durch den Einsatz von Elektronik und IT angekommen.

Die Revolution der Menschen

Das Besondere dabei: In nur 70 Jahren wird der Computer nahezu alle Lebensbereiche revolutioniert haben. Und wir haben uns dabei verändert. Nicht nur in der Art wie wir kommunizieren. Sondern auch, um ein Beispiel zu nennen, in unserem gesamten Einkaufsverhalten. Die Art wie und wo wir uns informieren, wie wir uns eine Meinung bilden, wen wir vertrauen und wo wir die Transaktion des Kaufes schließlich tätigen. Und stürzen damit ganze Branchen in turbulente Zeiten, weil die Mittel und Methoden von gestern im heute nicht mehr funktionieren. Und die neuen Probleme nicht mit den alten Lösungen zu beseitigen sind. Der bekannte deutsche Physiker Albert Einstein wusste bereits:

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Industrie 4.0

Jahrzehnte der Erneuerung statt Neuerfindung

Was unterscheidet unsere Neuzeit von der ersten Hälfte der industriellen Revolution? Dass wir in Zeiten leben, in denen es weniger bahnbrechende Erfindungen von Großunternehmen gibt. Aus den Neuerfindungen ist ein Prozess des Nachjustieren geworden. Ein Kreislauf der Erneuerung, der in einigen Branchen und vor allem im Mittelstand noch funktioniert und Gewinne einfährt. Nirgendwo sonst in Europa ist die Industrie im Jahr 2016 noch so stark wie in der Bundesrepublik. Soweit die gute Nachricht.

Die alte Stärke wird zur Schwäche

Die schlechte: Die Mehrzahl der neuen Erfindungen passieren heute außerhalb der Industriegiganten des Deutschen Aktienindex. Nahezu alle aufstrebenden Branchen im Technologie-Sektor werden von US-amerikanischen und asiatischen Firmen dominiert. Woran liegt es, dass in den Zukunfts-Branchen außer SAP keine deutsche Firma mehr weltweit unter den Top 10 rangiert? Und warum verbinden wir den Begriff Innovation regional viel weniger mit Berlin als mit dem Silicon Valley. Orte wie Tallinn in Estland oder auch Tel Aviv in Israel sind heute neben dem Silicon Valley Innovationszentren, weit mehr als jede andere deutsche Stadt.

Die selbe Kultur, die dazu geführt hat, dass Deutschland bis 2008 Exportweltmeister wurde, stellt uns im Rennen der wichtigen Wachstumsbranchen des dritten Jahrtausends ein Bein. In den Zukunfts-Branchen, die mit Apple, Google, Microsoft und auch Samsung die wertvollsten Marken der Welt stellen, braucht es offensichtlich weit mehr als Erneuerung und preußische Tugenden. Als Beleg dafür dient z.B. der Global Innovation Index, bei dem es Deutschland im Ranking seit Jahren nicht unter die Top 10 schafft. (Anmerkung: aktuell Stand Sept. 2016 rangiert Deutschland seit langer Zeit wieder einmal auf Platz 10). Die Liste anführend sind übrigens unsere Nachbarn aus der Schweiz.

Der Angriff der jüngeren Revolution

Bei objektiver Betrachtung stellt man in vielen Branchen fest: in Wahrheit macht die jüngere Revolution der älteren beunruhigend zu schaffen. Der Angriff zielt auf alles was sich mit neuen Ideen und den neuen Technologien anders machen lässt. Häufig anders denkend, schlanker und angepasst auf neue Generationen und Zielgruppen. In vielen Fällen kommen die weltverändernden Innovationen von Startups. Startups, die nicht „nur“ viel innovativer, sondern auch noch mit disruptiven Innovationen unterwegs sind. So kommen die Bedrohungen zunehmend aus fremden Branchen. Die neuen Wettbewerber waren bei Unternehmern gar nicht auf dem Radarschirm.

Das Innovationsproblem der alten Welt

Das Problem ist allen klar. Die alte Industrie versucht effizienter zu werden. Höher, schneller, günstiger. Immer häufiger nicht vorab geplant und strategisch nachhaltig, sondern kurzfristig betrachtet und aktionistisch. Und eben nicht mehr bahnbrechend oder gar weltverändernd. Die alte Welt hat zunehmend ein Innovationsproblem. Brainstorming und Design Thinking bringen keine echten Innovationen, in den alten Strukturen sind sie zu häufig Zeitverschwendung.

Industrie 4.0: das Problem mit den Medizinverkäufern

Industrie 4.0 ist wie andere Buzzwords, von IoT (Internet of Things) bis hin zu KI (Künstliche Intelligenz), in der jüngsten Vergangenheit ein Megathema geworden. Und was passiert bei jedem Hype? Unzählige Lieferanten springen auf den Zug auf und bieten für die komplexen Probleme vermeintlich einfach Lösungen. Vom schnellen Workshop der Berater bis hin zu den CRM/ERP/Cloud-Softwareanbieter – alle reden sie von Industrie 4.0, doch jeder versteht etwas anderes damit. Eine klare Begriffsdefinition tut Not. Und der Nutzen des Kunden bleibt häufig auf der Strecke, denn nur selten bekommt der Kunde eine wirksame Medizin für seine Symptome verkauft.

Ein Lösungsansatz

So wie Konzerne und Mittelständler die Themen Innovation und Change wird es an vielen Stellen scheitern bzw. nicht die hohen Erwartungen erfüllen. Dabei ist die Vision der Industrie 4.0 noch sehr vage und echte Beispiele, an denen sich Unternehmen in ihrer Branchen orientieren könnten, fehlen. Vielen Unternehmern ist noch gar nicht klar, welchen konkreten Nutzen sie aus Industrie 4.0 ziehen können und welche Potentiale neuer Geschäftsmodelle sich ergeben könnten.

Wandel und Veränderung sorgt in vielen Organisationen für Ängste. Häufig wird vergessen, die Menschen auf die Reise mitzunehmen. Dabei bieten Wandel und Veränderung auch immer neue Möglichkeiten und Chancen. Unser aller Ziel sollte sein, die Möglichkeiten der neuen Technologie zu erkennen und vor allem die Chancen zu nutzen, die Zukunft unserer Produktion aktiv zu gestalten. Fragen wir künftig nicht mehr warum, sondern warum nicht.

GO> Gehen wir es an!
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